top of page

Wie entkomme ich der Traditionalisten-Falle | #9

Zwischen Spießertum und der Herausforderung der Veränderung



Lieber Andreas Jelden,



wow, es ist schon der 1. September 2023. Ich weiß noch, wie mein Mann und ich im Mai 2022 die Entscheidung getroffen haben auszuwandern. Wir wollten einfach mal wieder woanders hin und unserer Tochter die vielfältigen Kulturen dieser Erde zeigen.

Jetzt leben wir seit genau einer Woche auf Zypern. Aktuell ist es noch wie Urlaub. Ich bin gespannt, wann ich realisiere, dass dies unser neues zu Hause ist. Es sind die Veränderungen, von denen du schreibst, die ich auch so sehr liebe. Allerdings tun sich nicht alle so leicht damit. Selbst mein Mann ist nicht der Typ der sich danach sehnt und die Veränderung mit offenen Armen begrüßt.

Heute saßen wir bei der Behörde, die sich um Stromangelegenheiten kümmert und haben unseren Strom umgemeldet. Leider können wir noch kein griechisch und so wird alles in Englisch besprochen. Die Zyprioten sprechen wirklich gutes Englisch. Ich fühle mich aber schlecht, weil ich die einheimische Sprache noch nicht kann.

Aber so eine Sprache lernt sich natürlich auch nicht von jetzt auf gleich. Dennoch gehört es für mich einfach dazu, um die Menschen und deren Kultur besser verstehen zu können.

Es ist toll zu sehen, dass ihr euch auch für eine aktive Veränderung entscheidet. Dass ihr euren inneren Wünschen und Bedürfnissen Beachtung schenkt. Das ist nicht selbstverständlich. So viele Menschen sind krank, weil sie ihre Träume begraben, weil sie gegen sich arbeiten und ihre Werte nicht leben.

Ich bin gespannt, ob es euch jetzt oder erst in ein paar Jahren woanders hin verschlägt.

Was ich allerdings nicht verstehe ist: Wie könnt ihr all eure (vermeintlichen) Sicherheiten aufgeben, während gefühlt über 90 % der Menschen in eurem Alter immer spießiger werden?

Und was meine ich mit spießig? Ich habe die Erfahrung gemacht, umso älter Menschen werden desto konservativer, konventioneller, traditionsgebundener oder langweiligerwerden sie selbst, ihre Verhaltensweisen, ihre Einstellungen oder ihre Lebensstile. Oft achten sie sehr auf Regeln, Normen und gesellschaftliche Konventionen, ohne viel Raum für Individualität oder Abweichung zu lassen. Außerdem neigen sie dazu, sich an etablierte Traditionen, Vorurteile oder Erwartungen zu halten, anstatt sich auf neue Ideen oder alternative Lebensweisen einzulassen.

Im Laufe ihres Lebens werden sie egoistischer und sind auf ihre eigenen Vorteile bedacht. Sie blenden das „Leid“ der restlichen Welt aus und sagen sich: „Ich habe jetzt viele Jahre etwas geleistet und das will ich jetzt auch zurückbekommen“ oder „Jetzt bin ich dran“. Das Aussehen des eigenen schönen Vorgartens ist dann wichtiger, als alles andere.


Selbst meine eigene Mutter, sagt mit 59 des Öfteren: „In meinem Alter will ich das nicht mehr ändern“. Damit meint sie: ihre eigene Persönlichkeit, ihre Art zu Denken und ihre Verhaltensweisen. Ganz nach dem Motto, „das habe ich schon immer so gemacht und werde es auch nicht ändern“ und „Ich bin halt so“!

Ich stelle mir daher die Frage, ob wir im Laufe des Lebens zu Traditionalisten werden?


Hier mal meine Liste der möglichen Beweggründe von Traditionalisten:

  • Emotionale Bindung: Traditionen sind oft mit emotionalen Erfahrungen und Erinnerungen verknüpft. Menschen können eine starke emotionale Bindung zu Traditionen haben, die es schwer macht, sich von ihnen zu lösen.

  • Identität und Zugehörigkeit: Traditionen können Teil der Identität einer Person sein und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe vermitteln. Veränderungen könnten das Gefühl von Verlust oder Entfremdung auslösen.

  • Angst vor dem Unbekannten: Veränderungen bringen Unsicherheit mit sich. Traditionalisten könnten Angst davor haben, wie sich Veränderungen auf ihr Leben und ihre Umgebung auswirken könnten, und deshalb lieber am Bekannten festhalten.

  • Sicherheit und Stabilität: Traditionen können ein Gefühl von Stabilität und Sicherheit vermitteln. Veränderungen könnten als bedrohlich empfunden werden und die Stabilität, die durch Traditionen geboten wird, gefährden.

  • Sozialer Druck: Traditionalisten könnten sich in sozialen Kreisen bewegen, in denen Traditionen stark betont werden. Sie könnten sich unter Druck gesetzt fühlen, sich an diese Normen zu halten, um Akzeptanz und Anerkennung zu erhalten.

  • Glaube und Werte: Traditionen sind oft mit den Überzeugungen und Werten einer Person verbunden. Änderungen könnten im Konflikt mit diesen Glaubenssätzen stehen und daher schwer zu akzeptieren sein.

 

Für mich sind Veränderungen ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Wir Menschen gehen unterschiedlich mit ihnen um und manche machen sogar berufliche Change Projekte daraus (an dieser Stelle die Frage nach dem Sinn).


"Veränderung ist das Tor zur Zukunft. Wer es öffnet, betritt eine Welt voller Möglichkeiten." - Unknown

Wie stehst du zur Traditionalisten-Falle?

Sonnige Grüße von der Insel der Götter, Jessica


 

Jessica Rumpf, geboren 1987, ist in allererster Linie Mensch und diese Haltung fließt in ihre Arbeit ein. Sie unterstützt ambitionierte FirmeninhaberInnen bei Veränderungsprozessen.

Die studierte Betriebswissenschaftlerin sammelte internationale Erfahrungen im Marketing, im Vertrieb, in der Eventbranche und im Finanzbereich. Sie hat bereits dreimal gegründet, erfindet sich immer wieder neu und weiß daher genau, worauf es beim eigenen Business ankommt. Sie ist eine Powermama und Unternehmerin mit viel Herz, die gern lacht und Katzen liebt.

Jessica geht ihre eigenen Wege, die sie unter anderem für ein Jahr nach Ecuador führten. Aktuell lebt sie mit ihrer Familie auf Zypern.

Sie bezeichnet sich selbst als Querdenkerin und meint damit, dass sie andere Denkansätze verfolgt, sie hinterfragt und weicht auch mal von klassischen und konventionellen Wegen ab. Das bringt den gewünschten Fortschritt herbei und Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung voran.

 

Comments

Rated 0 out of 5 stars.
No ratings yet

Add a rating
bottom of page